Felix Stahlmann, LL.M., MSc.

Matthis S. Fifkas und Andreas Falkes (Hrsg.): Korruption als internationales Phänomen – Ursachen, Auswirkungen und Bekämpfung eines weltweiten Problems

2012, Erich Schmidt Verlag, € 34,95, 199 S.

 

I. Zur Entstehung & zum Ziel

Bei Matthis S. Fifkas und Andreas Falkes (Hrsg.) „Korruption als internationales Phänomen – Ursachen, Auswirkungen und Bekämpfung eines weltweiten Problems“ handelt es sich um einen interdisziplinären Sammelband. Einen globalen Ansatz verfolgend setzt sich der Band selbst zum Ziel, „dem Leser die Vielschichtigkeit von Korruption… zu veranschaulichen.“ Dies soll durch eine fächerübergreifende Zusammenstellung von zehn wissenschaftlichen Beiträgen gelingen, die zum überwiegenden Teil auf einer Vortragsreihe der Universität Erlangen-Nürnberg basieren.

II. Zum Inhalt

In seiner Einleitung beschreibt Herausgeber Matthias S. Fifka zunächst die G20-Agenda for Action on Combating Corruption, Promoting Market Integrity, and Supporting a Clean Business Environment aus dem Jahr 2010, um so die Wichtigkeit des Korruptionsthemas in einem internationalen Kontext hervorzuheben und eine rechtfertigende Brücke zu dem vorliegenden Sammelband zu schlagen. Der Herausgeber selbst möchte den Band in einen allgemeinen und einen länderspezifischen Teil untergliedert wissen.

Im ersten Beitrag des allgemeinen Teils erklärt der Politikwissenschaftler Wolfgang Muno die Stärken und Schwächen des von Transparency International (TI) veröffentlichten Corruption Perception Index und stellt andere Korruptionsmessungen, insbesondere den Global Corruption Barometer von TI als vorzugswürdige Alternative, vor. In der nachfolgenden Arbeit legt Tanja Rabl einige umwelt-, organisations- und personenbezogenen Faktoren dar, welche die Entscheidung zu korruptem Handeln beeinflussen. Anschließend beleuchtet Herausgeber Andreas Falke die Charakteristika von komplexen Klimaschutzprogrammen, welche sich korruptionsbegünstigend auswirken. Im folgenden, sozialwissenschaftlichen Beitrag zeigen Ingo Pies und Markus Beckmann unter anderem auf, dass Unternehmen durch die Einrichtung eines Whistleblowing-Systems die Stigmatisierung von Hinweisgebern als illoyal vermeiden und ein positives Umdenken im Unternehmen bewirken können.

Sodann geht der Band über in den länderspezifischen Teil. Hier befasst sich zunächst Walther L. Bernecker aus einer historischen Perspektive mit den Ursachen des Schmuggels als Teil der Korruption im Mexiko des 19. Jahrhunderts. Sodann beschreibt ein weiterer Lateinamerika-Fachmann, Thomas Fischer, die politische Korruption in Kolumbien während der Amtszeit von Alvaro Uribe (2002 bis 2010). Es folgt ein Beitrag des Herausgebers Matthias S. Fifka, in dem der US-amerikanische Gesetzgebungseifer zwecks Korruptionsbekämpfung als nicht ausreichend beschrieben wird, solange grundlegende, gesellschaftliche und politische Reformen fehlen. Diplom-Kauffrau Sarah L. Beringer arbeitet daran anknüpfend heraus, dass zwar grundsätzlich die gesetzliche Regulierung der Wahlkampffinanzierung in den USA wirkungsvoll und gefestigt sei, dass die Bekämpfung der politischen Korruption jedoch durch eine die Meinungsfreiheit hervorhebende Rechtsprechung Rückschläge erlitten habe: Wahlkampfspenden werden durch die US-Justiz unabhängig von ihrer Höhe als Form der freien Meinungsäußerung des Unternehmens gewertet. In der vorletzten Arbeit geht Management-Experte Dirk Holtbrügge darauf ein, warum es in den „emerging markets“ China, Indien und Russland zu Korruptionserscheinungen kommt und aus welchen Gründen sich diese Länder mit der Korruptionsbekämpfung besonders schwer tun. Schließlich stellt Günther Ammon im letzten Beitrag die größten Korruptionsskandale Frankreichs vor und gibt dem Leser drei Thesen zur Hand, anhand derer das französische Korruptionsausmaß möglicherweise erklärt werden kann.

III. Kritik

Der Sammelband erreicht zweifelsohne sein ambitioniertes Ziel, die „obschon wenig erfreuliche Vielfalt von Korruption“ zu illustrieren. Er eröffnet dem allgemein am Korruptionsthema interessierten Leser internationale Blickwinkel auf ein schwer zu (be)greifendes Phänomen. Dabei wandelt der Band auf einem schmalen Grat zwischen der Darstellung von Vielfalt und der Darstellung von Zusammenhangslosigkeit bzw. von allein durch den Buchtitel zusammengehaltenen Einzelbeiträgen. Denn die thematische und gedankliche Verknüpfung der einzelnen Beiträge gelingt meist nur über die beiden extrem weiten Oberthemata ‚Korruption’ und ‚Internationalität‘. Die wissenschaftlichen Ausarbeitungen bauen selbst nicht unmittelbar aufeinander auf und nehmen nur sehr vereinzelt aufeinander Bezug.

Die von Herausgeber Matthias S. Fifka in der Einleitung vorgegebene, nachträglich eingefügte Gliederung der Vorträge in einen allgemeinen und einen länderspezifischen Teil ist nachvollziehbar, drängt sich allein anhand des knappen Inhaltsverzeichnisses aber nicht sofort auf. Der Inhalt der einzelnen Beiträge reflektiert die unterschiedlichen Forschungsschwerpunkte der Autoren bzw. Vortragenden. Der Leser darf dementsprechend damit rechnen, mit für ihn völlig unbekannten Materien konfrontiert zu werden, wobei der Lesefluss und die innere Struktur der Beiträge stark vom jeweiligen Verfasser abhängen. Bis auf sehr wenige, dafür aber gravierende Ausnahmen schaffen es fast alle Autoren, eine der Interdisziplinarität angemessene, nämlich leicht verständliche Sprache zu wählen. Vereinzelt erfolgt keine Übersetzung z.B. englischer oder spanischer Begrifflichkeiten, was sprachlich begabte Leser nicht weiter stört. Inhaltlich kann der Leser bei der Lektüre des Sammelbandes erfreuliche ‚Aha!-Effekte’ erleben: Verschiedene Wissenschaftsdisziplinen liefern teilweise übereinstimmende Erklärungsansätze für die möglichen Ursachen von Korruption, wobei neben den Erklärungs- die Lösungsansätze nach eigenem Empfinden etwas zu kurz kommen. Die nützlichen Quellenangaben ermöglichen es wissenschaftlich orientierten Lesern, sich vertieft mit den Themen der einzelnen Beiträge auseinanderzusetzen. Den Praktiker dürfte der Sammelband jedoch wegen der mannigfaltigen und grundverschiedenen Blickrichtungen auf das Korruptionsthema, der wiederkehrenden Darstellungen von Korruptionsfaktoren und des nur vereinzelt erkennbaren Praxisbezugs nicht ansprechen. Dies ist allerdings auch nicht der Anspruch des Werks: Es handelt sich um einen Sammelband von Wissenschaftlern für Wissenschaftler, der die wissenschaftliche Diskussion über das Thema ‚Korruption im internationalen Kontext’ anzuregen vermag.

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2012, Erich Schmidt Verlag, € 34,95, 199 S.

 

I. Zur Entstehung & zum Ziel

Bei Matthis S. Fifkas und Andreas Falkes (Hrsg.) „Korruption als internationales Phänomen – Ursachen, Auswirkungen und Bekämpfung eines weltweiten Problems“ handelt es sich um einen interdisziplinären Sammelband. Einen globalen Ansatz verfolgend setzt sich der Band selbst zum Ziel, „dem Leser die Vielschichtigkeit von Korruption… zu veranschaulichen.“ Dies soll durch eine fächerübergreifende Zusammenstellung von zehn wissenschaftlichen Beiträgen gelingen, die zum überwiegenden Teil auf einer Vortragsreihe der Universität Erlangen-Nürnberg basieren.

 

II. Zum Inhalt

In seiner Einleitung beschreibt Herausgeber Matthias S. Fifka zunächst die G20-Agenda for Action on Combating Corruption, Promoting Market Integrity, and Supporting a Clean Business Environment aus dem Jahr 2010, um so die Wichtigkeit des Korruptionsthemas in einem internationalen Kontext hervorzuheben und eine rechtfertigende Brücke zu dem vorliegenden Sammelband zu schlagen. Der Herausgeber selbst möchte den Band in einen allgemeinen und einen länderspezifischen Teil untergliedert wissen.

Im ersten Beitrag des allgemeinen Teils erklärt der Politikwissenschaftler Wolfgang Muno die Stärken und Schwächen des von Transparency International (TI) veröffentlichten Corruption Perception Index und stellt andere Korruptionsmessungen, insbesondere den Global Corruption Barometer von TI als vorzugswürdige Alternative, vor. In der nachfolgenden Arbeit legt Tanja Rabl einige umwelt-, organisations- und personenbezogenen Faktoren dar, welche die Entscheidung zu korruptem Handeln beeinflussen. Anschließend beleuchtet Herausgeber Andreas Falke die Charakteristika von komplexen Klimaschutzprogrammen, welche sich korruptionsbegünstigend auswirken. Im folgenden, sozialwissenschaftlichen Beitrag zeigen Ingo Pies und Markus Beckmann unter anderem auf, dass Unternehmen durch die Einrichtung eines Whistleblowing-Systems die Stigmatisierung von Hinweisgebern als illoyal vermeiden und ein positives Umdenken im Unternehmen bewirken können.

Sodann geht der Band über in den länderspezifischen Teil. Hier befasst sich zunächst Walther L. Bernecker aus einer historischen Perspektive mit den Ursachen des Schmuggels als Teil der Korruption im Mexiko des 19. Jahrhunderts. Sodann beschreibt ein weiterer Lateinamerika-Fachmann, Thomas Fischer, die politische Korruption in Kolumbien während der Amtszeit von Alvaro Uribe (2002 bis 2010). Es folgt ein Beitrag des Herausgebers Matthias S. Fifka, in dem der US-amerikanische Gesetzgebungseifer zwecks Korruptionsbekämpfung als nicht ausreichend beschrieben wird, solange grundlegende, gesellschaftliche und politische Reformen fehlen. Diplom-Kauffrau Sarah L. Beringer arbeitet daran anknüpfend heraus, dass zwar grundsätzlich die gesetzliche Regulierung der Wahlkampffinanzierung in den USA wirkungsvoll und gefestigt sei, dass die Bekämpfung der politischen Korruption jedoch durch eine die Meinungsfreiheit hervorhebende Rechtsprechung Rückschläge erlitten habe: Wahlkampfspenden werden durch die US-Justiz unabhängig von ihrer Höhe als Form der freien Meinungsäußerung des Unternehmens gewertet. In der vorletzten Arbeit geht Management-Experte Dirk Holtbrügge darauf ein, warum es in den „emerging markets“ China, Indien und Russland zu Korruptionserscheinungen kommt und aus welchen Gründen sich diese Länder mit der Korruptionsbekämpfung besonders schwer tun. Schließlich stellt Günther Ammon im letzten Beitrag die größten Korruptionsskandale Frankreichs vor und gibt dem Leser drei Thesen zur Hand, anhand derer das französische Korruptionsausmaß möglicherweise erklärt werden kann.

 

III. Kritik

Der Sammelband erreicht zweifelsohne sein ambitioniertes Ziel, die „obschon wenig erfreuliche Vielfalt von Korruption“ zu illustrieren. Er eröffnet dem allgemein am Korruptionsthema interessierten Leser internationale Blickwinkel auf ein schwer zu (be)greifendes Phänomen. Dabei wandelt der Band auf einem schmalen Grat zwischen der Darstellung von Vielfalt und der Darstellung von Zusammenhangslosigkeit bzw. von allein durch den Buchtitel zusammengehaltenen Einzelbeiträgen. Denn die thematische und gedankliche Verknüpfung der einzelnen Beiträge gelingt meist nur über die beiden extrem weiten Oberthemata ‚Korruption’ und ‚Internationalität‘. Die wissenschaftlichen Ausarbeitungen bauen selbst nicht unmittelbar aufeinander auf und nehmen nur sehr vereinzelt aufeinander Bezug.

Die von Herausgeber Matthias S. Fifka in der Einleitung vorgegebene, nachträglich eingefügte Gliederung der Vorträge in einen allgemeinen und einen länderspezifischen Teil ist nachvollziehbar, drängt sich allein anhand des knappen Inhaltsverzeichnisses aber nicht sofort auf. Der Inhalt der einzelnen Beiträge reflektiert die unterschiedlichen Forschungsschwerpunkte der Autoren bzw. Vortragenden. Der Leser darf dementsprechend damit rechnen, mit für ihn völlig unbekannten Materien konfrontiert zu werden, wobei der Lesefluss und die innere Struktur der Beiträge stark vom jeweiligen Verfasser abhängen. Bis auf sehr wenige, dafür aber gravierende Ausnahmen schaffen es fast alle Autoren, eine der Interdisziplinarität angemessene, nämlich leicht verständliche Sprache zu wählen. Vereinzelt erfolgt keine Übersetzung z.B. englischer oder spanischer Begrifflichkeiten, was sprachlich begabte Leser nicht weiter stört. Inhaltlich kann der Leser bei der Lektüre des Sammelbandes erfreuliche ‚Aha!-Effekte’ erleben: Verschiedene Wissenschaftsdisziplinen liefern teilweise übereinstimmende Erklärungsansätze für die möglichen Ursachen von Korruption, wobei neben den Erklärungs- die Lösungsansätze nach eigenem Empfinden etwas zu kurz kommen. Die nützlichen Quellenangaben ermöglichen es wissenschaftlich orientierten Lesern, sich vertieft mit den Themen der einzelnen Beiträge auseinanderzusetzen. Den Praktiker dürfte der Sammelband jedoch wegen der mannigfaltigen und grundverschiedenen Blickrichtungen auf das Korruptionsthema, der wiederkehrenden Darstellungen von Korruptionsfaktoren und des nur vereinzelt erkennbaren Praxisbezugs nicht ansprechen. Dies ist allerdings auch nicht der Anspruch des Werks: Es handelt sich um einen Sammelband von Wissenschaftlern für Wissenschaftler, der die wissenschaftliche Diskussion über das Thema ‚Korruption im internationalen Kontext’ anzuregen vermag.

Autorinnen und Autoren

  • Felix Stahlmann, LL.M., MSc.
    Felix Stahlmann, LL.M. (Auckland), MSc. (Oxon).

WiJ

  • Raimund Weyand

    Aktuelle Rechtsprechung zum Wirtschafts- und Insolvenzstrafrecht (Januar 2023)

    Insolvenz

  • Dr. Ulrich Leimenstoll , Katja Ruers

    Zu den Straftatbeständen der (gänzlich) unterlassenen Aufstellung der Bilanz (§§ 283 Abs. 1 Nr. 7 Buchst. b, 283b Abs. 1 Nr. 3 Buchst. b StGB) und deren häufiger Überdehnung contra legem durch die Strafverfolgungsbehörden

    Insolvenz, Bankrott, Bilanz

  • Dr. Manuel Lorenz , Dr. Christian Rathgeber

    Keine Ahndung des Abschlussprüfers durch die BaFin für sonstige Verstöße gegen das Berufsrecht

    Insolvenz, Bankrott, Bilanz