Dr. André-M. Szesny, LL.M.

Editorial

Liebe Leser der WiJ,

„Let’s keep in touch!“ lautet die in den vergangenen Wochen wohl am meisten per E-Mail versandte Textzeile. Anlass ist das Inkrafttreten des neuen Datenschutzrechts unter dem Regelungsregime der Datenschutzgrundverordnung. Das macht Newsletter-Versender – zumeist übrigens Rechtsanwaltskanzleien und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften – offenbar nervös: Wohl rein vorsichtshalber werden alle Newsletter-Abonnenten per E-Mail darum gebeten, ihr Abo zu bestätigen. Damit wollen die Versender sicherstellen, dass die Einwilligung in die Verarbeitung der personenbezogenen Daten der Empfänger erfolgt und ausreichend dokumentiert wird. Die hohen Bußgelder, die zukünftig für Verstöße fällig werden, scheinen das Bestreben um die Datenschutz-Compliance zu katalysieren.

Vielleicht ist das auch nötig: Denn viele „Let’s keep in touch“-E-Mails, die ich erhalte, kommen von Absendern, deren Newsletter ich – da bin ich mir ganz sicher – niemals angefordert und die ich zuvor auch niemals erhalten habe. Da fragt sich, wie meine E-Mail-Adresse in den Verteiler für die Kontaktwunsch-Nachrichten landen konnte. Datenschutzverstoß: check. Wettbewerbsverstoß: check.

Immerhin haben die freundlichen E-Mails einen ganz praktischen Vorteil: Sie sind willkommene Gelegenheit, das Newsletter-Dickicht zu lichten. Denn wem ich nicht antworte, der sendet mir auch keine E-Mails mehr, die mein Postfach verstopfen.

Dachte ich. Denn letzte Woche erhielt ich die freundliche Erinnerung eines Newsletter-Versenders. Ich hatte auf seine „Let’s keep in touch“-E-Mail versäumt, positiv zu antworten. Man wünsche sich aber doch sehr, in Kontakt zu bleiben, und bittet um „Opt In“.

Vielleicht lasse ich mich von einer zweiten Erinnerungsmail überzeugen. Spätestens von einer dritten. Das Bemühen um Datenschutz muss schließlich goutiert werden.

Eine interessante Lektüre der vorliegenden Ausgabe der WiJ wünscht

Ihr

Dr. André-M. Szesny, LL.M.

Autorinnen und Autoren

  • Dr. André-M. Szesny, LL.M.
    Dr. André-M. Szesny, LL.M. ist Partner bei Heuking Kühn Lüer Wojtek und leitet die dortige Praxisgruppe Wirtschafts- und Steuerstrafrecht. Er berät und verteidigt Unternehmen und Einzelpersonen in Strafverfahren und allen Fragen der Compliance. Daneben ist er Sprecher des Arbeitskreises Kapitalmarktstrafrecht der WisteV und Redaktionsmitglied der WiJ.

WiJ

  • Raimund Weyand

    Aktuelle Rechtsprechung zum Wirtschafts- und Insolvenzstrafrecht (Januar 2023)

    Insolvenz

  • Dr. Ulrich Leimenstoll , Katja Ruers

    Zu den Straftatbeständen der (gänzlich) unterlassenen Aufstellung der Bilanz (§§ 283 Abs. 1 Nr. 7 Buchst. b, 283b Abs. 1 Nr. 3 Buchst. b StGB) und deren häufiger Überdehnung contra legem durch die Strafverfolgungsbehörden

    Insolvenz, Bankrott, Bilanz

  • Dr. Manuel Lorenz , Dr. Christian Rathgeber

    Keine Ahndung des Abschlussprüfers durch die BaFin für sonstige Verstöße gegen das Berufsrecht

    Insolvenz, Bankrott, Bilanz